Maximilian Meisse Architekturfotografie

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Fotografien: Maximilian Meisse

Vorwort: Dirk Boll
96 Seiten, 51 farbige Abbildungen
Hardcover, EUR 29,80
Ernst Wasmuth Verlag, ISBN 978 3 8030 3404 5

Vorwort von Dirk Boll:

Cassel mon Amour

Kasseläner, aber vor allem Kasselaner und ganz besonders Kasseler bemühen allzu gerne das Bonmot, welches von dem durch vier Besuche in Kassel informierten Johann Wolfgang von Goethe überliefert ist: 1828 verglich er Kassel wohlwollend mit Dresden und München und stellte fest, dass Kassel eine der schönsten deutschen Residenzstädte sei.(1)

Dies reflektiert allerdings keineswegs die Wertschätzung gegenwärtiger Erscheinung, sondern ganz im Gegenteil den Phantomschmerz eines Verlustes. Zu wenig wird darüber gesprochen, was an die Stelle des Verlorenen getreten ist. Wohl auch, weil es als wenig erwähnenswert gilt. Diesen Blick auf das heutige Kassel überwindet Maximilian Meisse mit seinem künstlerischen Projekt, das Verbindungen zwischen scheinbaren Widersprüchen herstellt und den Blick auf ein anderes, gleichwohl heutiges Kassel lenkt.

Die Kaiserzeit, an einem Industriestandort wie Kassel mit besonderer Berechtigung Gründerzeit genannt, hat die mittelalterlich biedermeierliche Schönheit, die der Dichterfürst noch bewundern konnte, elegant eingefasst, erweitert und ergänzt. Und Maximilian Meisse schärft den Blick für das, was den Feuersturm des 22. Oktober 1943 überstanden und die Nachkriegszeit überdauert hat, unter Ausblendung der offensichtlichsten Sünden des Wiederaufbaus. „Schöne Ecken hat diese Stadt“, denkt der Betrachter, und versteht, warum bis 1926 der Name mit dem später als besonders elegant empfundenen kapitalen „C“ buchstabiert wurde.(2)

Die größte Überraschung jedoch sind die städtebaulichen und architektonischen Qualitäten der Nachkriegsbebauung. Erscheinen sie hier wie Einsprengsel, Überformungen und Entwicklungen eines historischen Ortes, eingebettet in seine Geschichte, so zeigen sie, was Kassel braucht: Nicht die historisierende Fassade, die eine lange untergegangene Vergangenheit imitiert, sondern aktuelle Architektur von hoher Qualität, die über Anschlussfähigkeit verfügt und für kommende Generationen bewahrenswerte Gebäude und einen lebendigen Stadtraum schafft.

Es gelingt Maximilian Meisse eine Binsenwahrheit in Erinnerung zu rufen, die sich immer wieder gegen die Bequemlichkeit der Gleichförmigkeit behaupten muss: dass der Reiz unserer Städte in der Lesbarkeit ihrer Geschichte liegt, die verschiedene ästhetische Konzepte in einen räumlichen Zusammenhang stellt.

Das gelingt zwar nicht immer, aber Maximilian Meisse zeigt, dass es manchmal nur des sensiblen und unbefangenen Blickes bedarf, um das Verbindende zu erkennen und scheinbare Gegensätze zu überwinden. Und er ermuntert uns zu diesem konstruktiven Blick, mit dem es leicht fällt, darauf zu verzichten, das Goethe´sche Kassel gegen das Heutige einzutauschen. Man ist dem Künstler dankbar für diese Schärfung des Blickes auf die Schönheiten der Stadt Kassel!

Dirk Boll

(1) Karl-Hermann Wegner: Bilder aus dem alten Kassel. Gemälde und Graphiken 1870 – 1940. Quellen und Perspektiven zur Entwicklung Kassels, Bd. 4. Hrsg. Verein Freunde des Stadtmuseums Kassel e.V., Kassel 1995, Seite 14f.

(2) Frank-Roland Klaube: Chronik der Stadt Kassel, Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen, 1. Auflage 2002, Seite 4.